Ratten gelangen praktisch immer über eine schadhafte Stelle in der Grundstücksentwässerung ins Haus — durch einen Rohrbruch, eine offene Muffe, einen nicht verschlossenen Altanschluss oder eine defekte Rückstauklappe. Die Bekämpfung mit Ködern reduziert den Bestand kurzfristig, schließt aber den Weg nicht. Dauerhaft wirksam ist nur die Kombination aus Ortung der Schadstelle per Kamerabefahrung und anschließender Abdichtung. In vielen Gemeinden besteht zudem eine Meldepflicht beim Auftreten von Ratten.
Auf einen Blick
- Der Weg ins Haus führt über einen Rohrschaden — nicht über die Toilettenspülung an sich.
- Rattenbefall ist in vielen Gemeinden meldepflichtig, auch in der Region Hannover.
- Für die Bekämpfung auf dem eigenen Grundstück ist der Eigentümer verantwortlich.
- Köder allein lösen das Problem nicht dauerhaft, wenn die Schadstelle offen bleibt.
- Häufig übersehen: stillgelegte, aber nicht verschlossene Altanschlüsse.
Kaum ein Anruf ist unangenehmer als der, bei dem jemand von einer Ratte im Keller berichtet. Die gute Nachricht: Es ist ein technisches Problem mit einer technischen Lösung. Die schlechte: Wer nur bekämpft und nicht abdichtet, bekämpft dauerhaft.
Warum ausgerechnet die Kanalisation
In der städtischen Kanalisation lebt fast ausschließlich die Wanderratte, Rattus norvegicus. Der Lebensraum passt für sie beinahe ideal: gleichmäßige Temperatur, dauerhaftes Nahrungsangebot aus dem, was über Toiletten und Spülen entsorgt wird, Schutz vor Fressfeinden und ein verzweigtes Gangsystem, das kostenlos gewartet wird.
Wanderratten schwimmen ausdauernd, klettern gut und tauchen mehrere Meter weit. Sie zwängen sich durch Öffnungen ab etwa zwei Zentimetern Durchmesser. Ein Rohrschaden, der für die Entwässerung noch unauffällig ist, ist für eine Ratte eine bequeme Tür.
Die typischen Eintrittswege ins Gebäude
| Weg | Wie häufig | Was hilft |
|---|---|---|
| Rohrbruch oder Scherbenbereich in der Grundleitung | sehr häufig | Sanierung der Schadstelle |
| Offene oder abgesackte Muffe | häufig | Schlauchliner oder Kurzliner |
| Stillgelegter, nicht verschlossener Altanschluss | häufig, oft vergessen | Fachgerechtes Verschließen |
| Defekte oder fehlende Rückstauklappe | gelegentlich | Erneuern, Rattensperre ergänzen |
| Undichter Schachtanschluss | gelegentlich | Anschlusssanierung |
| Direkt durch das WC | selten | Rattensperre in der Grundleitung |
Der am häufigsten übersehene Punkt
Wird eine Leitung stillgelegt — etwa nach dem Abriss eines Anbaus oder der Umstellung der Heizung — bleibt der Stutzen im Hauptrohr oft einfach offen. Für die Entwässerung fällt das nie auf. Für Ratten ist es eine offene Tür mit Standleitung. Bei jeder Kamerabefahrung gehört die Frage nach nicht mehr genutzten Anschlüssen dazu.
Woran Sie einen Befall erkennen
- Kot von etwa ein bis zwei Zentimetern Länge, spindelförmig, häufig entlang von Wänden
- Laufwege mit dunklen Schmierspuren an Wandkanten — Ratten laufen bevorzugt an Kanten entlang
- Nagespuren an Holz, Kabelisolierungen und Kunststoff
- Grabspuren und Erdauswürfe im Garten, oft nahe der Leitungstrasse
- Geräusche in Zwischendecken, hinter Vorwandinstallationen oder aus dem Bodenablauf, meist in der Dämmerung
- Unruhe bei Haustieren an immer derselben Stelle
Was zu tun ist, in der richtigen Reihenfolge
Melden
Beobachtung der zuständigen Stelle mitteilen. In der Region Hannover ist das die Stadtentwässerung; in anderen Gemeinden das Ordnungsamt oder der Entwässerungsbetrieb. Das ist vielerorts Pflicht und kostet nichts.
Nahrungsquellen schließen
Keine Essensreste über die Toilette entsorgen, Abfallbehälter dicht halten, Vogelfutter und Tierfutter nicht offen lagern, Komposthaufen prüfen.
Leitung befahren lassen
Die Kamerabefahrung findet die tatsächliche Eintrittsstelle. Ohne diesen Schritt bleibt jede Maßnahme Ratensache.
Schadstelle sanieren
Je nach Befund Kurzliner, Schlauchliner, Hutprofil oder Verschluss eines Altanschlusses.
Bei Bedarf Rattensperre setzen
Als zusätzliche mechanische Barriere, nicht als Ersatz für die Abdichtung.
Bekämpfung durch Fachbetrieb
Falls Tiere bereits im Gebäude sind, gehört das in die Hände eines zugelassenen Schädlingsbekämpfers.
Warum Köder allein nicht ausreichen
Der Kanal ist ein verbundenes System. Wird der Bestand an einer Stelle reduziert, entsteht dort freier Lebensraum, in den Tiere aus benachbarten Bereichen nachrücken. Solange die Schadstelle offen ist, wiederholt sich der Vorgang.
Hinzu kommt: Der Einsatz von Rodentiziden ist inzwischen deutlich strenger geregelt als früher, unter anderem wegen der Gefährdung von Nichtzieltieren und der Belastung von Gewässern. Fachbetriebe arbeiten daher zunehmend mit Ködersystemen in gesicherten Boxen, mit Fallen und mit baulicher Prävention. Die bauliche Prävention ist der Teil, den Sie als Eigentümer beeinflussen können — und der einzige, der das Problem beendet statt es zu verwalten.
Nicht selbst in Schächte einsteigen
In Abwasserschächten können sich Faulgase ansammeln — Schwefelwasserstoff ist schwerer als Luft, bereits in geringen Konzentrationen gefährlich und betäubt nach kurzer Zeit den Geruchssinn, sodass die Warnung ausbleibt. Das Einsteigen in Schächte gehört zu den gefährlichsten Tätigkeiten überhaupt und ist Sache von Fachpersonal mit Messtechnik und Sicherung.
Was es kostet
- Kamerabefahrung zur Ortung: 200 – 500 €
- Verschließen eines Altanschlusses: 250 – 600 €
- Kurzliner an der Schadstelle: 350 – 800 €
- Hutprofil am Abzweig: 400 – 900 €
- Rattensperre inklusive Einbau: 300 – 900 €
Dem steht gegenüber, was ein anhaltender Befall kostet: wiederkehrende Bekämpfung, Nagerschäden an Leitungen und Dämmung sowie, im ungünstigen Fall, hygienische Folgeprobleme im Gebäude.
Wenn Sie den Verdacht haben, dass Tiere über die Entwässerung ins Haus gelangen: Rufen Sie an. Die Ortung ist ein überschaubarer Termin, und in vielen Fällen ist die Ursache nach einer Stunde gefunden.
Häufige Fragen
Können Ratten wirklich durch die Toilette kommen?
Ja, technisch ist das möglich. Wanderratten schwimmen ausdauernd und können den Siphon durchtauchen. In der Praxis ist es aber selten der eigentliche Weg — deutlich häufiger gelangen die Tiere über eine Schadstelle in der Grundleitung in Kellerräume, Schächte oder unter die Bodenplatte und von dort ins Gebäude.
Muss ich Rattenbefall melden?
In vielen Gemeinden ja. In der Region Hannover sind Grundstückseigentümer gehalten, die Beobachtung von Ratten unverzüglich der Stadtentwässerung zu melden, damit Maßnahmen zum Schutz der zentralen Abwasseranlage getroffen werden können. Prüfen Sie zusätzlich die Satzung Ihrer Gemeinde — die Regelungen unterscheiden sich.
Wer bezahlt die Bekämpfung?
Für Flächen im öffentlichen Raum und im öffentlichen Kanalnetz die Kommune beziehungsweise der Entwässerungsbetrieb. Auf privaten Grundstücken der Eigentümer oder Nutzer. In Niedersachsen ergibt sich das aus der Verordnung über die Rattenbekämpfung.
Reicht es, Köder auszulegen?
Kurzfristig senkt das den Bestand. Solange die Schadstelle offen ist, rückt jedoch Nachschub aus dem Kanalnetz nach. Köderbekämpfung ohne bauliche Abdichtung ist deshalb eine dauerhafte Ausgabe ohne Endpunkt — und der Einsatz von Rodentiziden unterliegt inzwischen strengen Auflagen.
Was ist eine Rattensperre?
Eine mechanische Klappe, die in die Grundleitung eingesetzt wird und Abwasser passieren lässt, Tiere aber nicht in Gegenrichtung. Sie ist eine sinnvolle Ergänzung, ersetzt aber nicht die Abdichtung der eigentlichen Schadstelle und muss regelmäßig gewartet werden.
Quellen und weiterführende Regelwerke
- Landeshauptstadt Hannover — Ratten in der Kanalisation
- Landeshauptstadt Hannover — Rattenbekämpfung
- Verordnung über die Bekämpfung der Ratten (Niedersachsen)
- DIN 1986-30 „Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke — Instandhaltung“
Dieser Beitrag ersetzt keine Prüfung vor Ort. Verbindlich sind die jeweils geltende Fassung der genannten Normen und die Satzung des zuständigen Entwässerungsbetriebs.
